Die Schweiz ist wohl jedem bekannt. Nicht nur als Nachbarland von Deutschland, sondern auch als das Land der Berge, des Geldes, der direkten Demokratie, der Uhren und natürlich des Käses.

Und ich hatte das Glück, sechs Wochen meines Schuljahres dort zu verbringen. Es war zwar mein erster Aufenthalt, aber wahrscheinlich nicht mein letzter.

Ich hoffe als Gymnasiasten wisst ihr alle, dass es in der Schweiz mehr als eine Amtssprache gibt. Deutsch, italienisch, französisch und rätoromanisch.
Meine Reise ging in das französischsprachige Kanton Neuchâtel. Das ist eine kleine niedliche Stadt mit 30 000 Einwohnern am Neunburger See gegenüber den Alpen, was jeden Morgen beim Sonnenaufgang eine herrliche Aussicht garantierte.
Diesen kann man sich auch in Ruhe anschauen, da die Schule, nicht wie in Deutschland 7:30 Uhr sondern erst 8:15 Uhr beginnt.
Das Schulsystem in der Schweiz ist zwar ähnlich wie in Deutschland, unterscheidet sich aber in ein paar wesentlichen Fakten.
Erstens: Die Note 6 ist die beste und entspricht der deutschen Note 1; Zweitens: Wer einen Durchschnitt unter 4 (deutsch 3) hat und nicht ausgleichen kann, muss wiederholen und Drittens: Die Lehrer sind alle ein bisschen jünger.
Zweitens hat zur Folge, dass es im ganzen Kanton Neunburg, was etwa 180 000 Einwohner hat, nur zwei Gymnasien gibt. (Gymnasium entspricht dort nur der Sekundär Stufe 2.)
Und drittens ist höchstwahrscheinlich der größte Unterschied, denn dadurch ist das Klassenklima ganz anders, denn die Lehrer erlauben viel mehr.
Es beginnt damit, dass, wenn der Lehrer am Anfang der Stunde reinkommt, keiner aufsteht, um „Guten Morgen“ zu sagen, er sagt Hallo zur Klasse und beginnt den Unterricht.
Es gibt keine Sitzordnung, die eingehalten werden muss und kontrolliert wird.
Oder eine Reglung, wenn ein Schüler reden darf. Die meisten stellen ihre Fragen, wenn sie ihnen in den Kopf schießen und sie quatschen unter anderem auch mit ihren Banknachbarn, was manchmal zu einem recht hohen Lärmpegel führt.
Die meisten Lehrer nehmen das jedoch gelassen, aber mir wurde erzählt, dass manch einer auch schon in psychologische Behandlung deswegen getreten ist.
Wie dem auch sei, mir kam die Schule dort entspannter vor, aber vielleicht lag es auch daran, dass ich nicht benotet worden bin und auch nur passiv am Unterrichtsgeschehen teilnehmen konnte, da die Sprachbarriere recht groß für mich war.
Doch mit dem Laufe der Zeit fiel es mir immer leichter zu verstehen, was man mir mitteilen wollte, doch das schnelle Antworten war eine andere Herausforderung.
Meine Gastfamilie hat mich aber extrem unterstützt und mir geholfen. Außerdem war es sehr hilfreich, dass die Gastmutter perfekt deutsch sprach und mir ab und zu unter die Arme griff.
Ihr habe ich es auch zu verdanken, dass ich sehr viel von der Schweiz gesehen habe.
Die Familie hat mit mir unter anderem einen Zwiebelmarkt in Biel besucht (wo trotzdem nur Käse gegessen wurde), Schokolade in der Fabrik von Camille Bloch gekostet, Bern besichtigt, einen Besuch von Genf ermöglicht und mir die Kirchen von Solorthun gezeigt.
Ich hatte riesengroßes Glück mit meiner Gastfamilie, die ich dank Herrn Petersen gefunden habe.
Der Vorteil an einem Austausch ist, dass man das richtige Leben dort erfährt, man ist ein weiteres Familienmitglied und nicht nur ein Tourist, der bei den Lebenshaltungskosten die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Alles was ich dafür tun musste, war sechs Wochen Cyrille, meinem Austauschbruder, Chemnitz und unsere Kultur zu zeigen, was auch sehr schön war, da ich nie wusste, wie interessant auch Sachsen sein kann. Und jetzt muss ich den verpassten Stoff nachholen, aber das ist nicht weiter schlimm, denn an das, was man mir dort an Erfahrung geschenkt hat, werde ich mich immer glücklich erinnern.
Und ich kann nur jedem auch empfehlen so einen Austausch zu machen, denn im Gegensatz zum Urlaub, erlebt man nicht nur die Schweiz, man lebt sie.

von Anna