"Vom Eise befreit sind Rhône und Fontäne
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Reiseglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich zum Mont Blanc zurück.
Von dort her sendet er, selten, nur
Stürmische Schauer eisigen Windes
In Wirbeln über die grünende Flur."

Vielleicht hat der Eine oder Andere bereits erraten, dass es sich hierbei um die wunderschöne Stadt Genf, in Ortssprache Genève, handelt. Fast schon an der Grenze zu Frankreich liegt sie dort, wo die Rhône den Genfer See, der eigentlich Lac Léman heißt, wieder verlässt. An diesem Ort begeistert sie sowohl Besucher als auch Einwohner. Weltweit bekannt ist die Stadt für ihre 140m hohe Fontäne, genauso wie für das internationale Forschungszentrum CERN. Ein Highlight für die Bewohner der Stadt ist das jährlich am 12.12. gefeierte Fest „Fête de l'Escalade“, wobei der Sieg über die Franzosen zelebriert wird.
Während unserer Reise nach Genf vom 16. März bis zum 23. März 2019 beeindruckten uns vor allem die imposanten Gebäude, die weiten Parkanlagen und die Fülle an Menschen verschiedener Nationalitäten.

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Ein großer Unterschied zu Chemnitz sind die umweltschonenden, elektrischen Busse, die uns nicht nur wegen des freien WLANs begeistert haben. Generell versucht man viel auf Ökostrom durch Wasserwerke und Solaranlagen zu setzen. Doch nicht nur das ist ein Unterschied zu Deutschland. Auch der Alltag ist anders gestaltet. So beginnen Arbeit und Schule beispielsweise später und dauern dann natürlich auch länger. Dabei ist das Einkommen deutlich höher, als bei uns, weshalb die Produkte und Lebensmittel dementsprechend teuer sind.
Trotzdem wird eine ausgiebige Esskultur gepflegt. Bekannte Gerichte sind hier zum Beispiel Käsefondue und Raclette. Generell wurden wir in unseren Gastfamilien immer gut bekocht und umsorgt.

Anfangs war die Kommunikation etwas stockend, da wir das schnelle Französisch nicht gewohnt waren und Englisch in den Schulen eine eher untergeordnete Rolle spielt. Doch unsere Gastschüler konnten sehr gut Deutsch und waren immer sehr zuvorkommend. Auch viele der Gasteltern konnten gut Deutsch, doch genauso andere Sprachen, wie Spanisch oder Italienisch, fließend sprechen. In der Regel wird aber Deutsch mehr gefördert als andere Sprachen, so dass wir kaum Verständigungsprobleme hatten. Unsere Austauschpartner werden bilingual unterrichtet, das heißt, dass sie auch andere Fächer, wie Physik oder Geschichte, auf Deutsch unterrichtet bekommen.
In den Familien hat natürlich jeder etwas andere Erfahrungen machen können. Einige der Familien waren beispielsweise sehr wohlhabend, fuhren teure Autos und bewohnten große Häuser. Andere dagegen wohnten ein Stück über der Grenze in Frankreich und hatten so einen etwas weiteren Schulweg.
Auch in der Schule ist einiges anders als bei uns. Früh beginnt der Unterricht erst 8:15 Uhr und dauert meist bis 17:00 Uhr. Jeden Mittwoch haben aber alle Schüler einen freien Nachmittag, da die Schule hier schon 12:00 Uhr endet. In der Mittagspause können einige Schüler nach Hause fahren und dort essen, da sie zwei Stunden lang ist. Doch auch in der Cafeteria gibt es ein großzügiges Essenangebot, welches in der Schulküche frisch zubereitet wird. Während unseres Aufenthaltes haben wir jedoch nicht viel Zeit in der Schule verbracht.
Auf unserer Fahrt nach Genf waren wir von 5.30 Uhr bis ca. 16.30 Uhr mit verschiedenen Zügen unterwegs. Am Genfer Bahnhof angekommen, wurden wir dann alle von unseren Gastschülern abgeholt und haben das restliche Wochenende mit den Familien verbracht. Erst am Montag haben wir uns dann alle wieder gemeinsam in der Schule Collège Madame de Staël wiedergesehen.
Dort hatte man einen Empfang für uns vorbereitet, bei dem uns eine Lehrerin etwas über die Schule erzählt hat. Anschließend haben wir Chemnitzer die schöne Altstadt besichtigt. Nach einem kleinen Picknick sind wir zum CERN Forschungszentrum gefahren. Dieses hatte leider geschlossen, sodass wir nur die angrenzende Ausstellung besucht haben.
Am nächsten Tag hatten wir früh Deutschunterricht mit einer anderen Klasse zusammen, wobei wir unsere Schulsysteme verglichen haben. Nach dem Mittagessen mit unseren Gastschülern haben wir dann noch den Staudamm „Barrage du Seujet“ besichtigt. Anschließend hatten alle teilnehmenden Schüler bis 16:45 Uhr die Gelegenheit, sich selbstständig in Genf umzusehen, bis wir uns in der Schule wieder mit unseren Austauschschülern getroffen haben.
Am Mittwoch ging es weiter mit der Besichtigung des Internationalen Rot-Kreuz- und Rothalbmondmuseums und des Patek-Phillipe-Museums, welches sich mit antiken Uhren beschäftigt. Auch an diesem Tag gab es genug Zeit für uns, auf eigen Faust durch die Stadt zu ziehen, ehe wir den Abend gemeinsam mit unseren Gastfamilien verbringen konnten.
Tagsüber besichtigten wir am Donnerstag zuerst eine Chocolaterie, in welcher uns die Kunst der Schokoladenverkostung nähergebracht wurde, und anschließend bekamen wir die Chance, das "Büro der Vereinten Nationen" während einer Führung zu besichtigen. Nach einem freien Nachmittag folgte nun noch ein "Bilingualer Abend", bei dem Schüler der Schule und wir Chemnitzer uns untereinander austauschen und besser kennenlernen konnten.
Auch am Freitag wurden wir noch einmal zur Kommunikation mit verschiedenen schweizer Schülern animiert, da wir erneut am Deutschunterricht teilnahmen und auf Französisch über unsere Woche reflektieren sollten. Anschließend hatten wir den Tag über Freizeit, um uns ein letztes Mal Genf anzuschauen. Abends haben sich dann alle noch einmal  versammelt, um gemeinsam Abend zu essen. Es gab das bereits erwähnte traditionelle Gericht Käsefondue.
Während unsere Hinfahrt nach Genf ziemlich problemlos verlaufen war, gab es auf der Rückfahrt mehrere Zugausfälle, weshalb wir mit einer Stunde Verspätung um halb acht wieder in Chemnitz ankamen.
Abschließend kann man sagen, dass die Reise uns vor allem mit neuen kulturellen Eindrücken und neuen Sprachkenntnissen geprägt hat. Auch haben wir viele neue Menschen kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen - eine Woche, die wir so schnell nicht mehr vergessen werden. An dieser Stelle wollen wir uns noch bei Herrn Petersen bedanken, dessen Engagement diesen Austausch erst möglich gemacht hat und auch Frau Becker, die uns in dieser Woche begleitet hat. Nun freuen wir uns auf den Besuch unserer Schweizer Austauschschüler und hoffen, dass es ihnen bei uns genauso gut gefällt.

Rebekka